Vor 130 Jahren war hier viel los ...

Heute ist es mehr als erstaunlich, dass schon 70 Jahre nach der ersten Zugfahrt von Nürnberg nach Fürth eine Eisenbahn von Mühlhausen nach Schlotheim und Ebeleben fuhr.

Wie kam es zu der Entscheidung, hier eine Bahn zu bauen?

27.08.1883

Bildung eines Comitee zum Weiterbau der Strecke Hohenebra – Ebeleben nach Mühlhausen.

1894

Auftrag ging an den Bau- und Betriebsunternehmer Lenz & Co.

06.11.1895

Auftragsvergabe zum Bau der Strecke Mühlhausen – Ebeleben unterzeichnet.

26.02.1896

Unterzeichnung des Vertrages zum Bau und Betrieb einer Nebenbahn von Mühlhausen über Körner nach Ebeleben

Juni 1896

Die Mühlhausen-Ebelebener Eisenbahn (MEE) wird als AG mit einem Kapital von 1.550.000 Mark gegründet.

Frühjahr 1896

Beginn Streckenbau. 1897 Abnahme der 25,55 km langen Strecke. Baukosten: 1,5 Mio. Mark nach nur 15monatiger Bauzeit. 

03.06.1897

Die Strecke wird feierlich mit einer Sonderfahrt eröffnet.

04.06.1897

Die Strecke wird für den Personennahverkehr ab 01.07.1897, für den Güterverkehr freigegeben

1900

Bahnhof Bollstedt entsteht als letztes Gebäude an der Linie der MEE in gleichem Stil und Bauart wie in Körner und Grabe. 

1918

Nach dem 1. Weltkrieg hatte die MEE kaum Sachschaden durch Kriegseinwirkungen. 

03.04.1945

1945 Betrieb  der MEE zweimal eingestellt und wieder aufgenommen.  Gleise sollten Reparation werden. 1949 Übernahme DR.

08.05.1969

Letzter Dampfzug.

29.09.1974

Einstellung Streckenabschnitt Ebeleben – Schlotheim. Ab 1990 nur noch Triebwagen. 

01.01.1994

DB übernimmt die Strecke. Drei Jahre später Stilllegung am 31.05.1997, zwei Tage vor dem 100. Bestehen der Strecke. 

Die alte Eisenbahnbrücke über die Unstrut

Über längere Abschnitte verlief die Trasse der MEE annähernd parallel zur B249 und der Notter, die viermal überbrückt werden musste. Die alte Unstrutbrücke war als Fachträgerbrücke konzipiert und hatte eine lichte Weit von 21 m. Die Unstrutbrücke während ihrer "goldenen Jahre". Wie schön wäre es, könnte heute der Unstrut-Radweg hier entlang führen ...
Aus: "Der Eisenbahnknoten Ebeleben" von Günter Fromm: Die Unstrutbrücke wird von Handwerkern der MEE einer gründlichen Instandsetzung unterzogen (um 1940). Foto: G. Siegel, Mühlhausen (Thür.)
Aus: "Der Eisenbahnkonten Ebeleben" von Günter Fromm: Die Unstrut brücke hinter dem Bahnhof Bollstedt wird von Handwerkern der MEE einer gründlichen Instandsetzung unterzogen (um 1949) Foto G. Siegel, Mühlhausen (Thür.)
Nach 111 Jahren war diese Brücke Vergangenheit, weil keine Finanzierung für ihren Weiterbetrieb gefunden werden konnte. Demontage 2008.
Auf Initiative des Bollstedter Künstlers und der Gemeinde Weinbergen wurde dieses Fragment vor dem Schrott gerettet, auf Anleitung Böhnings in der Agrargenossenschaft zusammengeschweißt und hier in der unmittelbaren Nähe des ehemaligen Standorts errichtet.
So steht sie heute als Andenken an eine längst vergangene Zeit, auf die heute viele nostalgisch zurückblicken.

Wie fühlte sich so eine Zugfahrt damals an?
Am besten beschreibt es aus unserer Sicht die Bollstedterin
Petra Schneider in ihrem sehr lesenswerten Buch "Milchreis unterm Federbett":

... Nach der 6. Klasse mussten wir nach Körner in die POS (Polytechnische Oberschule) fahren. Erst einmal hieß das: früh aufstehen! Und zwar wirklich früh, denn der Zug, den wir nun nutzen mussten, um an unsere Schule zu kommen, fuhr bereits um 6.40 Uhr ab. Der Bahnhof lag weit außerhalb des Ortes und so zog zu der frühen Stunde eine lange Karawane müder Wänste in Richtung Dorfausgang. Man konnte bald beobachten, dass es fast auf die halbe Minute dieselben Reihenfolgen an gehenden und später auch rennenden Schülern gab. Man stand dann am Bahnhof auch immer an denselben Stellen mit denselben Leuten zusammen, stieg immer ins gleiche Abteil ein. Der Zug hielt mit schmerzhaft laut quietschenden Bremsen, dass einem die Ohren schrillten! Die klemmenden Abteiltüren, die kunstlederbezogenen Sitze erinnere ich gut, genauso wie das insgesamt etwas angejahrte Innenleben der Waggons mit unvergesselichem Geruch nach altem Maschinenöl, lange nicht geputzten Wagen und einfach muffeligem Aroma. Zwischen den einzelnen Wagen war es im Winter richtig kalt, es gab vereiste Stellen, an denen der kalte Fahrtwind den Dampf irgendwelcher Schläuche ins Innere drückte, die Eisenplatten der Verbindungsstege schoben sich übereinander, alles war nicht sonderlich abgedichtet, sondern klapperte und rappelte. Hausaufgaben im Zug machen - was tatsächlich einige Mitschüler taten - war bei der Ruckelei eine echte Herausforderung. Jeder Lehrer hätte sehen können, wo die Aufgaben erledigt worden waren, wenn er denn gewollt hätte. Wir machten uns einen Sport daraus, freihändig mit beiden Beinen stehen zu bleiben, in welche Kurven sich die Bahn auch bog, wie heftig sie beschleunigte oder bremste - wir blieben stehen! Manchmal fuhr in den Waggons ein Schwung russischer Soldaten mit. Wir rochen sie, lange bevor wir sie sahen, hörten auch ihr so anderes Gemurmel. Wir gingen ihnen aus dem Weg, in andere Waggons, es war uns nicht sehr angenehm, wenn sie mitfuhren, aber auch kein besonders aufregendes Erlebnis. Sie sind bis Schlotheim weitergefahren, vielleicht um Kohlen abzuladen oder ähnliches zu tun. Wir nahmen es hin. Im nächsten Ort - Grabe - stiegen noch mehr Kinder zu, bis wir an der für uns schon letzten Station in Körner alle ausstiegen. Das waren insgesamt vielleicht 15 - 20 Minuten Fahrt, ist ja nicht weit, vielleicht 10 Kilometer Bahnlinie, der Zug schnaufte recht gemächlich dahin ...
Petra Schneider
"Milchreis unterm Federbett"
Illustration der beschriebenen Zugfahrt von Petra Schneider
Die Bahn kam an, und die Leute war noch zahlreich in der Bahnhofstraße unterwegs.
Viele mussten dann rennen. Ich war meistens mit der Letzte und schloss die Waggontür.
Roland Krause
Einwohner Bollstedts

Die Entfernung entfaltet
das Einzigartige.

Nachdem die MEE-Bahnstrecke zum Unstrut-Radweg wurde,  erfreut sie sich nunmehr wachsender Beliebtheit.

Da es am Standort keine Erfahrungswerte gab, starteten wir 2024 eine Fragebogenaktion für das Angebotsportfolio. Ergebnis:

erholen
100%

Natur

Egal wo Sie sich bei uns aufhalten: Sie befinden sich immer inmitten herrlicher Natur.

essen und trinken
50%

essen

Genießen Sie die Ruhe mit unseren Speisen und Getränken oder bei leckerem Softeis.

Schlafen
25%

Erleben

Manchmal muss man übernachten. Unsere Waggons machen das zum Schlaf- Erlebnis.

In dem Zeitraum von 1883 bis heute ist weltgeschichtlich, politisch und wirtschaftlich eine Menge geschehen. 

Weltkriege
1
Stilllegungen /Wiederin-betriebnahmen der MEE
1
Jahre Schienentransport
1